Archive for the 'TV-Medien' Category

15
Nov
12

Perspektivwechsel. Verbrechen in der Welt

Nachdem ich eine Lektüre-Probe aus einem Buch von Mo Yan – 莫言 Mò Yán –gehört habe, begreife ich nun vollkommen, d. h. auch physisch, was eingebundene Füße bedeuten. Ich habe mir zuvor keinen Begriff davon gemacht, was eingebundene Füße sind und welche merkwürdigen zweifelhaften kulturhistorischen Entwicklungen dahinterstecken. Der Literatur-Nobelpreisträger Mo Yan erzählt, noch seine Großmutter habe eingebundene Füße gehabt. In der zitierten Textstelle, die ich über Deutschlandfunk gehört habe, ist davon die Rede, daß die Zehen in die Sohlen einwachsen. Man muß sich dies erst einmal vorstellen, um zu begreifen, was es bedeutet, wenn das akrobatische Kunststück gelingen soll: das Einwachsen der Zehennägel in die Fußsohlen. Das heißt ja, daß die Füße derart nach außen gebogen werden und dies auf Dauer, daß das Einwachsen der Fußnägel in Sohlen überhaupt möglich ist.
Was ist das für ein Verbrechen! Und welches kranke Hirn hat sich das ausgedacht?!
Es richtet sich nicht nur gegen Frauen, weil sie Frauen sind – also nicht aus Gründen der Sexualität wie bei der Beschneidung. Es richtet sich gegen Beweglichkeit überhaupt. Gegen das Gehen. Gegen das Laufen. Gegen das Wegrennen-Können sowieso.
Ich habe unlängst eine sehr unangenehme Erfahrung machen müssen und dabei gemerkt, daß es für Frauen gar keine Schimpfwörter für Männer im selben Maße gibt, wie Männer gegen Frauen sprachlich vorgehen können: Es gibt für Frauen schlichtweg keine sexuell injurierenden Wörter gegen Männer. Das ist zur Zeit unsere (Sprach-)Kultur.
Wenn das anders werden soll, wird dies nicht unbedingt besser für eine Kultur der Gemeinsamkeit. Ich bin aber zuerst an einer Kultur der Gemeinsamkeit zwischen den Geschlechtern interessiert, die das Wort Ausgewogenheit in sich aufgenommen hat, ehe ich mich auf Diskussionen über eine Kultur darüber hinaus einlasse.

20
Jul
12

Mobbing

Wer es nie erlebt hat, will davon nichts wissen. Wer damit schon mal Bekanntschaft machen mußte, interessiert sich aus persönlichen Gründen dafür, sonst eher ungern. Üblicherweise will niemand etwas damit zu tun haben – aus verständlichen Gründen.

Ich bin jetzt 54 Jahre lang auf der Welt. Noch nie habe ich so viel über Mobbing gehört, gelesen und selbst erfahren wie in den letzten zehn Jahren. Was stimmt an unserem Zusammenleben nicht, daß Mobbing so oft auftritt?

Kein Mensch möchte Mobbing erleben, aber immer mehr Menschen betreiben es, und immer mehr Menschen erleben es. Als hätten wir sonst keine Probleme auf der Welt.

Da kommt eine wie ich aus Berlin, wird gerufen, weil sie kompetent ist. Kommt also. Zieht extra um und verläßt diesen Traum von Stadt – Berlin. Sucht eine Wohnung wochenlang und hat ein möbliertes Apartment bezogen. Quält sich. Ist längst im Job angetreten und muß immer wieder weg vom neuen Arbeitsplatz – Wohnungen anschauen. Suchen eben. Kriegt ziemlich bald mit, daß getuschelt wird – was weiß sie nicht. Kann’s nicht ändern: Wohnungssuche geht vor. Da braut sich was zusammen, aber unter dem Druck der Neuanpassung und der Wohnungssuche gibt es keine Gegenwehr …

So wie mir geht es Tausenden von Menschen. Das sind Erfahrungen, die nicht sein müssen.

Mobbing ist (z. B.) „schlechte Erziehung“ o. ä. – Das glaubt einem ja keiner, selbst wenn es stimmt. Und es stimmt oft!
Warum muß ich als jemand, der eine neue Arbeitsstelle antritt, plötzlich mit Leuten umgehen, die mich mobben? Ich will nur arbeiten und meinen Job machen. Und plötzlich bekomme ich zu tun mit Leuten, die weltgewandt tun, aber offenbar so was wie eine Schulung im Umgang mit Menschen machen müssen, was ja heißt, daß sie sonst nicht mit Menschen umgehen können.
Ich werde berufstätig und muß mich plötzlich auf Leute einstellen, die nicht wissen, wie man mit Menschen umgeht?! Das ist unerwartet und ziemlich krass.

Es stinkt mir gewaltig, daß ganz normale Lebensbereiche plötzlich pathologisiert werden, bloß weil es Leute gibt, die sich nicht zu benehmen wissen. Heißt: Auf einmal sind alle so was wie Patienten. Wo bin ich denn hier gelandet?! Früher hat die Schule dafür gesorgt, daß sich Menschen unter Menschen zu benehmen wußten. Gibt es eine solche Erziehung nicht mehr?

Ich fange an, Verachtung zu entwickeln …

22
Jun
12

Verbrecher, die ein oder mehr Menschenleben zerstören

Menschen begehen Verbrechen – wissentlich oder unwissentlich. Neben den großen Verbrechen in der Weltgeschichte gibt es Verbrechen, von denen nur wenige Menschen wissen, obgleich es Verbrechen sind. Sie geschehen gewissermaßen am Rand der Geschichte, sind aber nicht weniger tragisch.

Im Dossier der ZEIT vergangener Woche war zu lesen, daß ein US-Mediziner namens Carter mindestens 1300 Menschen aus Guatemala zwecks wissenschaftlicher Studien mit Syphilis infizieren ließ, um an ihnen Forschungen für ein Gegenmittel zur Syphilis betreiben zu können. In der ZEIT-Reportage ist zu lesen, welches Grauen er in die Welt gesetzt hat – für Nachfahren und Nachfahren der Nachfahren …

Mehr ist in der „kulturzeit“, dem 3sat-Programm von ZDF, ORF, SF und ARD, am 22.06.2012 u. a. vom Mißbrauch in österreichischen Kinderheimen im „Freiwild für Erzieher“ zu erfahren.

M. E. muß endlich eine sichere juristische Zone geschaffen werden, die vor Mißbräuchen wie die vorgenannten schützt. Dabei müssen sich die Geister, die den Gesetzestext formulieren müssen, so ziemlich alle Abscheulichkeiten vorstellen, um das Gesetz entsprechend weit zu formulieren.

Zu beurteilen, wie weit Menschen in kirchlichen Ämtern fehlen dürfen, ist Aufgabe kirchlicher Vertreter. So können wir es uns leicht machen, nicht wahr?
Nein, wir wissen, wie träge die Arbeit kirchlicher Stellen auch und gerade in dieser Frage ist. Sie verhalten sich so träge wie Regierungsbehörden. Es braucht Druck von außen. Und man kann sich erfahrungsgemäß auf die kirchlichen Vertreter nicht wirklich verlassen.

Bekanntermaßen wird der Bote für seine Botschaft bestraft – dieser Sinnspruch ist so dumm wie ehedem, aber immer noch so wie tradiert und hält sich hartnäckig. Außer Druck von außen bzw. investigativen Journalisten erführe niemand, was z. B. hinter Klostermauern vor sich geht.

Wie bloß wird man der Blödheit, Stumpfheit und Ignoranz Herr? In Zeiten des Internet ist es eher schwierig, vermute ich, weil man nicht bei jedem Menschen voraussetzen kann, was allgemeingültig ist.

29
Mai
12

Online-Dating. Partnersuche heute (3sat/ZDF)

Glaubt man dem Portal Singlebörsen-Vergleich, dann gibt es 2500 deutschsprachige Kontaktbörsen, worunter neben Partnervermittlungen und Single-Börsen auch Seitensprung- und Blinddate-Agenturen (Casual Dating etc.) zählen.
„Suche Traumfrau!“ – Männer auf der Jagd nach Liebe
Sie sind attraktiv, erfolgreich, sympathisch – aber Singles. Eigentlich dürfte es in Zeiten der Internet-Kontaktmöglichkeiten kein Problem sein, eine Partnerin zu finden. Was läuft schief bei den Männern im besten Alter?“ So der Anreißer für die „37 Grad“-Sendung vom 29.05.2012, 23:55 Uhr auf 3sat (Erstsendung 22.05.2012)
Die Sendeinformationen beim ZDF sind differenzierter, die Beschreibung der drei Männer wohlwollender.
1. Für Ralf, 49, Ingenieur und Cadillac-Fahrer, muß seine Traumfrau optisch und intellektuell auf Augenhöhe sein. In seine Vorstellung passen Frauen, die ortsgebunden sind und die im Schichtdienst arbeiten, nicht – also keine Beamtinnen, auch keine Ärztinnen, Lehrerinnen und Juristinnen; letztere seien ihm ohnehin zu kühl.
2. Markus ist 44, findet aber nichts dabei, in Kontaktbörsen anzugeben, er sei 39. Über Frauen redet er als Mädels bzw. Mädchen; sein eingeweihter Freund fragt nach der neuesten Bekanntschaft: „Wie alt ist denn die Maus?“ Die 29jährige läßt Markus bei der Verabredung in einer Diskothek drei Stunden warten.
3. Martin hat sich die Hörner abgestoßen, ist 53, findet aber, er geht als 46jähriger durch. Er sucht eine Frau um die Vierzig, gerne jünger. Seine „Traumfrau“ muss sich – wie einen repräsentativen Messestand – geistig wie körperlich um sich kümmern: „sie muss die Maschine (also sich, Anm. d. Autorin) gut am Laufen halten“, sagt er. Er ist auch in einer Casual-Dating-Börse, einem Portal für erotische Kontakte, angemeldet. „Sex ist für mich der Sprit fürs Leben.“ Verhältnisse mit verheirateten Frauen sind für ihn am angenehmsten.

„Sieben Millionen User sind in Online-Portalen angemeldet. Soziologen meinen, dass die steigende Zahl von Dating-Möglichkeiten die Beziehungsfähigkeit eher blockiere als aktiviere. Ist das Internet zwar ein Paarungsbeschleuniger, aber kein Partnerschaftsfestiger?“
So die weitere Ankündigung auf 3sat. Aber genau diese Frage beantwortet die knapp 30minütige Reportage von Iris Bettray nicht, ja, sie problematisiert noch nicht einmal die soziologische These. Die Reportage zeigt drei Porträts von Männern auf Freiersfüßen. Dabei gerät sie boulevardesk und stellenweise unfreiwillig komisch, so z. B. wenn der systematisch nach einer Partnerin suchende Ralf in Erwartung eines möglichen London-Wochenendes mit einer neuen Bekanntschaft davon erzählt, daß seine Emotion jetzt „größer und mächtiger“ sei als sein analytischer Geist: „… sie wallt von unten hoch.“ Bemerkenswert ist außerdem, daß die Filmautorin offenbar Wert darauf legte, punktuelle Rückgriffe in die Kindheit der porträtierten Herren zu machen und am Ende im Fall von Martin sogar eine mögliche Beziehungsunfähigkeit zu insinuieren. Zwar mögen die Mitwirkenden diese Dokumentation autorisiert haben, was ich annehme. Was der eine oder andere nun über sich veröffentlicht sehen muß, mag man zur „neuen Offenheit“ zählen – mir als Zuschauerin behagt es nicht.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Bessres findet. Obwohl sich heute kaum noch jemand ewig bindet, trifft dieser abgewandelte Sinnspruch (ursprünglich ist er aus Friedrich Schillers „Das Lied von der Glocke“) heute mehr denn je auf die Partnersuche zu. In Zeiten, in denen ein Mensch für den anderen alles sein soll, jeder nach dem perfekten Partner sucht und Paare wegen kleinsten Konflikten auseinanderrennen, nagt der Gedanke, es könnte immer noch die/den „Bessere/n“ geben. Die gesellschaftlichen Verhältnisse der Menschen zueinander sind inzwischen vollends ökonomisiert – auch die Liebesverhältnisse; denn der Partner ist austauschbar wie jede Arbeitskraft. Darüber allerdings gibt die Dokumentation erschöpfend Auskunft.

26
Mai
12

Kill your Darlings! oder Die Welt ist nicht mehr, wie wir sie kennen

Zum diesjährigen Berliner Theatertreffen wurde „Kill your darlings! Streets of Berladelphia“ als eines der drei „starken Stücke“ auf 3sat in einer Inszenierung von René Pollesch an der Berliner Volksbühne aufgeführt. Die beeindruckende Performance gab es heute auf 3sat als Erstaufführung zu sehen.

Mit „Streets of Philadelphia“ vom Rocksänger Bruce Springsteen nimmt die Aufführung schon zu Beginn für sich ein. Erst recht mit der akrobatischen Tanz- und Sprechleistung von Fabian Hinrichs. Hinrichs fokussiert in einer Ein-Mann-Show all das längst Bekannte, längst Gesehene in den gängigen Mythen der Erzählung und des Theaters. Er zählt gewissermaßen auf, was sich die Menschen in der Welt alles schon erzählt haben, um das Leben – Essen, Trinken, Schlafen –, das menschliche Miteinander, die Umwelt … – all das zu begreifen.
Wir mögen in Netzwerken sein, also mit vielen Menschen vernetzt sein, also etwas gelten und etwas sein. Aber wir sind es nicht, wir denken nur so groß von uns. Wir haben uns längst verloren. Wir sind nicht mehr bei uns selbst, wir geben uns keinen Kredit mehr – wir sind nur noch hoffnungslose Einzelwesen.
„Die Zeit müßte man anhalten. Aber: Man hält nur – Wagen an.“
Bertolt Brechts Fragment „Fatzer“ (entstanden Ende der 1920er-Jahre, auch „Untergang des Egoisten Johann Fatzer“, uraufgeführt 1978 in Hamburg) fand Eingang in die Inszenierung.

Die „Liiiieebe“ und alles, was uns Menschen zu Menschen macht, geht vor die Hunde und verdirbt dank des Kapitalismus, dank der Verwertung des Werts, dank des Glaubens, alles ließe sich zu Geld machen … Dank der After-hour-Party, dank des Pizza-Essen-Gehens usw. Niemand kennt mehr das Wort und weiß um seine Bedeutung (szenisch wunderbar umgesetzt). „Die Augen sind nicht zum Sehen gemacht, sondern zum Weinen – und zwar ausschließlich. – Was der Welt fehlt, ist Größe!“
Deshalb auch der Aufruf zum Schluß: Macht es für euch! Tja, wenn man nur wüßte was.
… aber sonst geht’s euch noch gut, oder?!

Chor: Eduard Anselm, Johanna Berger, Christin Fust, Hannes Hirsch, Emma Laule, Ronny Lorenz, Martina Marti,
Fynn Neb, Rudolph Perry, Simone Riccio, Nicola Rietmann, Paula Schöne, Anna Smith, Lukas Vernaldi und Claudia Vila Peremiquel
Bühnenbild: Bert Neumann
Kostüme: Bert Neumann
Inszenierung: René Pollesch
Fernsehregie: Hannes Rossacher

12
Mai
12

„Auserzählt“. Zum letzten Mal: „Das philosophische Quartett“ (ZDF)

„Dass der neue Intendant Thomas Bellut sich in einer seiner ersten Amtshandlungen das Quartett vornehmen würde, war uns allerdings von vornherein klar.“ Das sagt Peter Sloterdijk zum Ende des „Philosophischen Quartetts“ im Interview mit der „Zeit“.
Unter dem Titel „Die Kunst des Aufhörens“ wird am kommenden Sonntag, 13. Mai 2012, die letzte Sendung der Gesprächsreihe im ZDF ausgestrahlt. Peter Sloterdijk hat den Schriftsteller Martin Walser (85) und den Verleger und Schriftsteller Michael Krüger (69) zu Gast; Rüdiger Safranski ist erkrankt.

Krüger möchte mit Siebzig als Verleger aufhören, um noch Zeit für ein Buch zu haben. Der hin und wieder streitbare Martin Walser – erinnern wir uns bspw. an Walsers Rede in der Frankfurter Paulskirche oder an die Kontroverse um sein Buch „Tod eines Kritikers“ – denkt nicht ans Aufhören und wurde anläßlich seines 85. Geburtstags unlängst in einem „Walser-Quartett“ (mit Denis Scheck, Martin Lüdke, Felicitas von Lovenberg und Thea Dorn) im Südwestrundfunk (SWR) gewürdigt. Viel Erhellendes zu Martin Walser im Gespräch mit Peter Voß.
Zur „Kunst des Aufhörens“ gehört auch der Moment und die Art des Abgangs. Gewiß werden Sloterdijk und Safranski sich auch zu ihrem Eindruck über die Form der Kündigung äußern. Beide erfuhren es am Vorabend der vorletzten Sendung (25.03.2012: „Europa ohne Euro“ mit Juli Zeh und Joschka Fischer) , offenbar ohne daß es seitens der ZDF-Programmdirektion den Gedanken an eine gemeinsame Erörterung über mögliche Zukunftsperspektiven der Sendung o. ä. gab. Dies „stillos“ (Safranski) zu nennen versteht sich von selbst; wir sind ja nicht bei Aldi. TV-Konsumenten wie ich fragen, was dies für eine merkwürdige Umgangsform eines öffentlich-rechtlichen Senders ist, nachdem „Das philosophische Quartett“ zehn Jahre lang Bestandteil des ZDF-Programms war. Die Pressemitteilung des ZDF muß ein Banause formuliert haben, als er schrieb, die Sendung sei „auserzählt“ (Sloterdijk: „Eine herrliche Euthanasieformel!“). In seiner Jagd nach dem jüngeren Fernsehpublikum im Kampf gegen die privaten Fernsehkanäle plant das ZDF ein neues philosophisches Diskussionsforum mit Richard David Precht. Nichts gegen Precht, aber: „Precht ist vom Handwerk her Journalist und als solcher Popularisator von Beruf. Ob er wirklich, wie das ZDF annimmt, zu einer Verjüngung des Publikums beitragen wird, bezweifle ich allerdings. Seine Klientel gleicht eher der von André Rieu, den hören auch vor allem Damen über fünfzig in spätidealistischer Stimmung.“ So Peter Sloterdijk im „Zeit“-Interview.

So lang ist es noch nicht her, daß die beiden großen öffentlich-rechtlichen Sender ihre Programm-Umstrukturierung zusammen mit den tagtäglichen Talk-Formaten verteidigten – jetzt reden sie schon über den Abbau der weniger erfolgreichen. – Wer also ist auserzählt?!
Ich schlage vor: eine Sendung à la „Das philosophische Quartett“ und eine zweite mit Richard David Precht – und keine der Sendungen nach 23 Uhr, beide im Wechsel, also jeweils alle acht Wochen. Da wären dem ZDF Stammzuschauer sicher.

20
Apr
12

Das Aus für die Glühbirne. Was ist ökologisch an der Energiesparlampe?

Der Sender 3sat wartet in diesen Tagen mit der Themenwoche „Hauptsache Fortschritt?“ auf, die Gert Scobel u. a. mit einer Wissenschaftshow um die zwanzig größten Fortschritts-Flops moderiert. Die 3sat-Zuschauer haben über die Auswahl und Rangfolge der zwanzig wichtigsten Flops abgestimmt.
Im Hinblick auf die sog. Energiesparlampe (Platz 4 unter den Topflops!) konnten wir gestern erfahren, wie wir als Konsumenten einmal mehr hinters Licht geführt werden. Zur besten Sendezeit zeigte 3sat gestern in der Reihe  die 44minütige Dokumentation „Ausgebrannt – vom Ende der Glühbirne“ (20:15 Uhr).
Wir erfahren in dieser Sendung, daß die Europäische Union die normale Glühbirne zum Auslaufmodell erklärt hat, weil die modernen Leuchtstofflampen 80 Prozent weniger Strom verbrauchen. Der Haken: Die neuen Energiesparlampen enthalten Quecksilber, ein Nervengift, das auch das Immunsystem schädigt. Und nicht nur das. Sie enthalten weitere u. a. krebserregende Stoffe wie Phenol, sie geben elektromagnetische Strahlung ab – erkennbar an riechbaren Absonderungen, die unsere Gesundheit beeinträchtigen, und sie erfüllen noch nicht einmal die auf den Verpackungen angegebenen Leistungen – von den Möglichkeiten der Entsorgung ganz zu schweigen. Dennoch soll die Glühbirne, die all diese unangenehmen Begleiterscheinungen nicht hat, ab September 2012 nicht mehr zum Verkauf angeboten werden. Ein weiteres Wirtschaftskartell?
Die Reportage, die sich durch hartnäckige Recherchen bei Energiestofflieferanten und Wissenschaftlern auszeichnet, zeigt mit ihren kompetenten Beiträgen z. B. die seit 1901 bis heute brennende ehemals 60-Watt-, jetzt 4-Watt-Birne in Kalifornien und liefert mit ihr einen Beweis gegen das erste historische Wirtschaftskartell, über das Lichtplanerin Katja Winkelmann zu berichten weiß: Glühbirnen konnten immer schon länger brennen als die Exemplare, die wir im Laden kaufen konnten. Freilich hätten diese Lampen keinen Umsatz gebracht. Der Entscheidung dieses Kartells um Osram, Philips und Co. haben wir es bis heute zu verdanken, daß eine Glühbirne nur 1000 Stunden brennt.
Solche und ähnliche spannende Einsichten, auch in die Technik der Zukunft, vermittelt der Dokumentationsfilm. Falls verpaßt: In der 3sat-Mediathek ist die Dokumentation noch zu sehen.
Fürs erste knapp die Hälfte des Beitrags auf youtube:




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