09
Dez
10

Wikileaks und die Ethik in der Informationsgesellschaft

Jeff Jarvis, bekannter Journalist und Professor, äußerte sich kürzlich auf seinem Blog buzzmachine zu Sperren gegen Wikileaks: „Ich kann mit Visa und Mastercard Pornographie, Abtreibungsgegner, scheinheilige Schwulenhasser und den Ku-Klux-Klan bezahlen, aber ich kann das mit ihnen und Paypal nicht, um Wikileaks, Transparenz, den ersten Zusatz der Bill of Rights (Amendment) und echte Regierungsreform zu unterstützen.“
So wie für einen kritischen Zeitgenossen das Wirtschaften heute immer von ethischen Überlegungen begleitet ist – wie erfolgreich auch immer, ist die Politik einer sog. Informationsgesellschaft von Ethik begleitet: Was können wir tun? Was dürfen wir tun? Dafür gibt es zahlreiche Beispiele (Stuttgart 21, Atomkraft, Kindesmißbrauch, Kirche etc.)
Heute resümiert „hr2 – Der Tag“ in der Sendung vom 09.12.2010 „Das Imperium schlägt zurück – Assange und die verratene Freiheit“ – die vergangenen ereignisreichen Tage um Wikileaks sowie die Jagd auf Julian Assange, den (symbolischen) Kopf von Wikileaks, der inzwischen von der britischen Polizei dank eines europäischen Haftbefehls verhaftet wurde, und fragt nach der Glaubwürdigkeit verlautbarter Toleranz in offenen Gesellschaften: Wenn’s drauf ankommt, wird die Freiheit verraten.
Oder anders ausgedrückt: Die proklamierte Freiheit und Freizügigkeit in Demokratien ist für den Freihandel offen, nicht aber für freie Meinungsäußerung und Positionierung … als sei es eine Gnade des Freihandels, daß freie Meinung existiert! Beispielhaft „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe: „Wikileaks lebt von den Freiheiten, welche die liberale Demokratie gewährt …“
Oder noch mal anders: Daß sich ausgerechnet Kreditkartenunternehmen wie Mastercard und Paypal so gebärden wie dokumentiert, bezeichnet, was der Fall ist: Freiheit ist offenbar nur im wirtschaftlichen Sinne gemeint, nicht im Sinne der Ethik. Hinter dieser Definition steckt die Macht des Geldes und des Einflusses.

Zur Informationspolitik selbst: Nach dem Motto „Der Bote wird für die Botschaft bestraft“ greifen besonders die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) Wikileaks an. Dabei bleibt festzustellen, daß die USA offenbar ein Sicherheitsproblem haben, was ihre eigenen Datenbanken bzw. Zugriffsmöglichkeiten im Pentagon und anderen Behörden angeht. Nicht ohne Grund hat Hillary Clinton gleich nach Bekanntwerden der diplomatischen Dokumente über Wikileaks die Sicherheitsbestimmungen für ihre Behörden verschärft.
Mir geht es nicht um die Offenlegung jedes einzelnen Wortes eines Diplomaten – Dokumente über das, was der eine Regierungsvertreter über den anderen plaudert, kann man unter Klatsch und Tratsch verbuchen. Allerdings sei hier der Hinweis gegeben, daß die Definition dessen, was „Klatsch und Tratsch“ ist, von Journalisten kommt, nicht etwa vom Leser oder Hörer der entsprechenden Nachrichten: M.a.W.: Ob ein Zeitgenosse wie du und ich wenig Erfreuliches über Angela Merkel, Guido Westerwelle oder Horst Seehofer liest oder ein Journalist, sind zwei völlig verschiedene Dinge, die wahlbeeinflussend sein können; Journalisten sollten nicht so hochmütig sein zu glauben, daß ihre vervielfältigte Meinung auch die Meinung des Lesers, Zuschauers oder Hörers wiedergibt – genau aus diesem Grund habe ich viele Meinungen in jüngsten Medienbeiträgen als recht abgehoben und realitätsfern empfunden.
Latest News: Zum Vergewaltigungsvorwurf gegen Julian Assange schreibt der britische „Daily Mail“ und schlußfolgert, die Beschuldigungen sind vermutlich unwahr: „But the more one learns about the case, the more one feels that, unlike the bell in Enkoping, the allegations simply don’t ring true.“

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