Manche Gäste in Talk-Shows sind bestenfalls eine Herausforderung, manchmal jedoch so populistisch,
daß es an die Grenzen des Erträglichen geht. Vom Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) angekündigt als ein Mann der klaren Meinungen, war der gestrige Auftritt von Arnulf Baring wenig erquicklich.
In der Runde bei „Markus Lanz“ vom 07.12.2011 mit Yvonne Catterfeld, Rolf Eden und Sarah Kuttner ließ der Politologe, Publizist und Zeithistoriker Arnulf Baring verlauten, er sei jetzt in einem Alter (Jahrgang 1932), in dem er auf nichts und niemanden mehr Rücksicht nehmen müsse. So gab er bereitwillig auf Markus Lanz‘ Frage Antwort, wie er dazu komme, Angela Merkel für asexuell zu halten, und warum Helmut Schmidt überschätzt werde.
„Merkel ist … eine naturwissenschaftliche Tüftlerin, für die der alte Schulspruch gilt: Chemie ist das, was raucht und stinkt, Physik ist das, was nie gelingt.“ („Welt“-Interview, 06.03.2011)
Baring ein Mann der klaren Meinungen? Er beurteilt Merkels politisches Handeln über ihre Qualifikation als Wissenschaftlerin. Ist das redliche Kritik? Junge Menschen in der Schulausbildung lernen, daß Argumentation und Urteil sachlich fundiert sein müssen. Arnulf Baring macht mit dem Hinweis auf seine mit dem Alter gerechtfertigte Narrenfreiheit klar, daß er auf nichts mehr Rücksicht nehmen müsse. Alter schützt vor Torheit nicht.
Die Frauen in der Runde – Yvonne Catterfeld und Sarah Kuttner – äußerten sich zu den männlich-chauvinistischen Äußerungen von Baring mit keiner Silbe – wegen Überforderung? Kritische Anmerkungen kamen nur von Markus Lanz. Der alternde Playboy Rolf Eden schien für die Frauen interessanter zu sein.
Manchmal ist Markus Lanz um seine Gäste, die ja die Redaktion aussucht, nicht zu beneiden, wenn er selbst denjenigen abgeben muß, der Kontra gibt – auch i.S. Frauendiskriminierung.
Arnulf Baring bestreitet, daß Deutschland vom Euro bislang profitiert habe. Er will, daß Deutschland „raus aus dem Euro“ geht. Wir haben uns in der Vergangenheit vielfach darüber informieren können, warum eine Rückkehr zur D-Mark ungleich teurer wäre, als den Euro zu stützen. Eine Rückkehr zu nationalstaatlicher Finanz- und Wirtschaftspolitik in Zeiten globalen Handelns, in denen der Populismus als Blick nur mal eben über den eigenen Tellerrand nicht hilfreich ist, würde uns zusätzliche Konflikte mit anderen Ländern der Europäischen Union und der übrigen Welt bescheren. M.E. kommt es darauf an, die Agenten der Finanzmärkte an die lange Leine zu legen und u.a. dafür zu sorgen, daß in den USA der Glass-Steagall-Act von 1932/33 (Gesetz zur Trennung der Geschäftsbanken von den Investmentbanken, sträflicherweise aufgehoben unter der Regierung von Bill Clinton) wieder in Kraft gesetzt wird.
Letzte Kommentare